Zum ersten Mal war die Bürgerversammlung nicht in der Stadthalle sondern in der Aula der Grund- und Mittelschule Grafenwöhr. Gut 70 Bürger ließen sich dort von Bürgermeister Edgar Knobloch über das aktuelle Stadtgeschehen informieren. Dieser gab beispielsweise einen Überblick über die vielen Bauprojekte in der Stadt und erklärte die Haushalts- und Verschuldungslage. Er hob hervor, dass sich der Schuldenstand seit 2014 trotz vieler Investitionen um 1,1 Millionen auf 5,3 Millionen Euro verringert habe.

 

Von den laufenden Projekten stellte er besonders den laufenden Ausbau der Rößlwirtsgasse und der Alten Pfarrgasse vor. Dadurch erfolgt eine grundlegende Verschönerung der Altstadt von der auch die mittlerweile immer häufigeren Stadtführungen durch Kulturmanagerin Birgit Plößner profitieren. Momentan wird der gesamte Schulhof neugestaltet. Der Spatenstich dazu fand bereits im Oktober statt. Fertiggestellt werden soll dieses Projekt Ende Mai 2018. Weitere Planungen betreffen den Neubau einer Fahrzeughalle für die Feuerwehr Hütten. Mit den Fundamentierungen wurde bereits begonnen. Noch in diesem Winter soll die Dorferneuerung Hütten ausgeschrieben werden und auch die Gmünder erhalten an ihrem Haus der Vereine eine neue Eingangstreppe mit einer Rampe für barrierefreien Zugang. Im städtischen Bauhof wird aktuell das Dach der Fahrzeughalle neu eingedeckt.

 

Bürgermeister Knobloch präsentierte auch die bereits abgeschlossenen Projekte 2017 wie die Sanierung des Straßenbelages auf der Gemeindeverbindungsstraße vom Gründerzentrum in Richtung Gmünd und die Erneuerung des Brückengeländers am Werkskanal. Am Hüttner Friedhof wurde eine neue Beleuchtung installiert die von den Bürgern gewünscht war. Es konnten neue Baugebiete ausgewiesen werden: die „Josef-Bertelshofer-Straße“ in Grafenwöhr und der Straßenzug „Zur Striegl“ in Gößenreuth. Am Schönberg wurde nach Kanalbauarbeiten auch teilweise die Straßendecke saniert. Erfreut zeigte sich Knobloch über die Sanierung der B299 mit Einrichtung einer Linksabbiegespur von Eschenbach kommend nach Gößenreuth.

 

Andere aktuelle Planungen betreffen die Renaturierung des Thumbachs (Wasserwirtschaftsamt) und den Kreisverkehr auf Höhe des Gründerzentrums bei der Wache 6 durch das Straßenbauamt. Auf dem ehemaligen Deyerling-Gelände soll ein neues Fachmarktzentrum mit einem Lebensmittelmarkt, einer Drogerie und einem Bekleidungsgeschäft entstehen. Der Stadtrat fasste bereits den Aufstellungsbeschluss für das Bauleitplanverfahren.

 

Bürgermeister Edgar Knobloch freute sich auch über die vielen privaten und gewerblichen Bauinvestoren. Besonders gelungen bezeichnete er den Umbau des Alten Forsthauses durch Architekt Reinhold Krausch. Dieser hat dort vor kurzem sein Büro eröffnet. Für die Waldweihnacht des Bürgervereins Städtedreieck, bei der auch heuer wieder weit über 100 Kinder beschenkt werden, stellt er das Außengelände auch weiterhin zur Verfügung. Im Gewerbegebiet „Beim Flugplatz“ und in Hütten konnten verschiedene Firmen ihre Gewerbeflächen erweitern und eine Autowaschanlage hat vor kurzem ihren Betrieb aufgenommen.

 

Für die Notfallversorgung schafft die Stadt ein neues Feuerwehrfahrzeug an und eine neue Allgemeinarztpraxis konnte durch Dr. Barbara Scharnagl in der Bahnhofsiedlung eröffnet werden. Auch die neue Kulturmanagerin Birgit Plößner hat sich schon gut integriert und etliche Veranstaltungen ins Leben gerufen wie das „Schlemmerkino am Schönberg“. Knobloch zeigte sich angesichts der Stadtentwicklung zufrieden. Dass die Stadt nicht an Attraktivität verliert, zeigen die schnelle Wiedereröffnung der Zoiglstube am Marienplatz und die Übernahme des Schützenheims durch ein griechisches Pächterehepaar.

 

Das neue kommunale Förderprogramm „Lebens(t)raum“ wurde ins Leben gerufen, um Familien bei dem Wunsch nach einem Eigenheim zu unterstützen. Für den Kauf, Bau oder die Sanierung der eigenen vier Wände können Familien pro Kind 4.000 Euro erhalten.

 

Diplomingenieur Jens Gerhardt vom Planungsbüro u.m.s. stellte einen „Vitalitätscheck“, eine Studie über die Einwohner und Wohnraumentwicklung in Grafenwöhr vor. Es ging darum, wie sich die Einwohnerzahl laut Prognosen verändern wird und sich dies auf den Wohnraumbedarf auswirken kann. Leerstände und brachliegende Bauplätze sollen dabei vermieden bzw. genutzt werden. Im Zeichen des demografischen Wandels steht dabei die Stadt nicht nur allein, sondern die ganze Region vor einer großen Aufgabe. Laut u.m.s. wird sich die Einwohnerzahl des VierStädtedreiecks (Grafenwöhr – Eschenbach – Pressath – Kirchenthumbach und Ortsteile) von heute 25.000 auf 23.500 Einwohner im Jahr 2030 verringern.  Dies heißt aber nicht, dass sich der Bedarf an Wohnungen in gleichem Maß verringert. Die Studie berücksichtigt nämlich beispielsweise auch den Trend zu immer mehr Single-Haushalten, der sich auch fortsetzen wird.

 

Derzeit gibt es im Stadtgebiet 17 leerstehende Wohngebäude und viele freie Bauplätze. Das Problem allerdings ist, dass diese Bauplätze nicht auf dem Markt sind. Sie befinden sich in Privatbesitz und eine Veräußerung ist oftmals nicht angedacht. Gerhardt empfahl der Stadt von Zwangsmaßnahmen nach dem BauGB abzusehen und stattdessen die Eigentümer gezielt anzusprechen und zu kooperieren. Zum Beispiel könnten die Stadt, Banken oder andere Investoren selbst als Bauträger auftreten und nachgefragte seniorengerechte (Eigentums) -wohnungen bauen, die im Gegenzug für einen Bauplatz veräußert werden könnten.

 

Interessiert hörten die Teilnehmer zu und es gab zum Abschluss noch einige Fragen, die Bürgermeister Knobloch gerne beantwortete.

 

Bildunterschrift: (Bild: Stefan Neidl)

Jens Gerhard von u.m.s. über den Vitalitätscheck