Grafenwöhr im Wandel der Zeit

Kurzchronik über die Stadt Grafenwöhr

Die Gründung Grafenwöhrs – Zufall oder Planung

Mangels urkundlicher Belege ist die Entstehung Grafenwöhrs nicht bis zu seinen Anfängen nachvollziehbar. Man geht heute allgemein davon aus, daß die Stadt, wie viele andere Orte in 13. oder 14. Jahrhundert in siedlungsgünstiger Lage neu gegründet worden ist.

 

Die Besitzer Grafenwöhrs

Die ersten Besitzer der neugegründeten Stadt waren die Landgrafen Gebhard I. und Ulrich von Leuchtenberg. Sie erwirkten die Stadtrechte für Grafenwöhr von Kaiser Karl IV. am 5. Juni 1361. Außerdem wurde der Ort Sitz eines Pflegamtes, ein Vorläufer heutiger Amtsgerichte und Landkreise. Finanzielle Engpässe veranlaßten die Landgrafen Grafenwöhr innerhalb von 59 Jahren viermal zu verpfänden und so fiel der Ort schließlich 1422 an die kurpfälzischen Wittelsbacher, nachdem die Verpfändung von 1414 nicht mehr eingelöst werden konnte.

 

Kriege und Seuchen

In der Reformationszeit mußte der Ort zwischen 1545 und 1625 sechsmal den Glauben wechseln. Unter Kurfürst Maximilian I. wurde der Ort 1625 endgültig wieder katholisch.

 

Groß waren die Leiden während des 30-jährigen Krieges. Sowohl die Mansfelder, als auch die Schweden, und selbst die kaiserlich-bayerischen Truppen suchten den Ort heim. 1636 wurden die Einwohner zusätzlich von der Pest heimgesucht. Am Ende des 30-jährigen Krieges 1648 war die Stadt nur noch eine unbedeutende, arme Ortschaft mit völlig verarmten Einwohnern. Die umliegenden Dörfer waren fast völlig verwüstet.

 

Brände

Zahlreiche Brände veränderten über die Jahrhunderte das Ortsbild. Der erste dokumentierte Brand zerstörte 1598 das Schloß von Grafenwöhr. Weitere große Feuersbrünste zwischen 1708 und 1890 legten große Teile des Ortes wiederholt in Schutt und Asche. 1870 verwüstete ein Brand den Marktplatz und seine mit spitzem Giebel zur Straße stehenden Häuser. Beim Wiederaufbau drehte man die Häuser mit der Traufseite nach vorne, wodurch der Platz sein heutiges Aussehen erhielt. 1880 wurde bei einem Brand die westliche Altstadt und das Obere Stadttor zerstört.

 

Unerwarteter Aufschwung

Ab 1908 erlebte Grafenwöhr einen unerwarteten Aufschwung. Die Gründung des Truppenübungsplatzes durch Prinzregent Luitpold von Bayern brachte Arbeit und Verdienst in den Grafenwöhrer Raum. Zahlreiche Baumaßnahmen im Truppenlager und auf dem Übungsgelände ließen die Zahl der Bevölkerung innerhalb eines Jahres von 961 auf 1.841 sprunghaft ansteigen. Die Versorgung der Truppen verhalf der Grafenwöhrer Geschäftswelt zu einem sicheren Einkommen und viele Arbeitnehmer fanden im “Lager” ihre Beschäftigung. Das Ende des Zweiten Weltkrieges brachte über Grafenwöhr nochmals Leid und schweren Schaden. Am 5. und 8. April 1945 wurde der Ort und das Lager durch zwei Bombenangriffe schwer beschädigt. Zahlreiche Personen mußten dabei ihr Leben lassen.

 

Nach dem Krieg nahm Grafenwöhr einen langsamen wirtschaftlichen Aufschwung. Der nunmehr amerikanisch verwaltete Übungsplatz bot den Einheimischen wie den zahlreich zugezogenen Vertriebenen eine Verdienstmöglichkeit. Dadurch stiegen auch wieder die Bevölkerungszahlen. Nach den Eingemeindungen von Gößenreuth 1946 sowie Gmünd und Hütten 1972, leben heute in Grafenwöhr 7.000 Menschen.

Auch heute lebt Grafenwöhr überwiegend vom Truppenübungsplatz. Er ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor dieses Raumes und gibt mehr als 2.000 Menschen Arbeit.

 

Gebietsreform

Im Rahmen der Gebietsreform wurden am 01. Juli 1972 die Gemeinden Gmünd und Hütten nach Grafenwöhr eingemeindet.